Montessorischüler gehen ihren Weg PDF Drucken E-Mail
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Dok. / 2007 / 30 Minuten

Schul- und Bildungspolitik sind in aller Munde. Überall wird darüber nachgedacht und diskutiert, was sich im deutschen Schulwesen ändern muss. Auf der Suche nach Antworten geht der Blick oft weit ins Ausland, dabei ist das Wissen um pädagogische Alternativen seit vielen Jahrzehnten auch in unserem Land vorhanden und praktiziert. Zahlreiche Schulprojekte, die andere pädagogische Wege gehen, existieren überall in Deutschland. Selbst in kleinen und eher abgelegenen Ortschaften gibt es solche Initiativen.
k-montessorischueler-01.jpg In dem brandenburgischen Dorf Großthiemig entdeckten Eltern vor einigen Jahren die Ideen Maria Montessoris für sich und ihre Kinder und gründeten mir viel Engagement und großen Hoffnungen eine eigene reformpädagogische Schule.
Nachdem die „Evangelische Schraden Grundschule“ nun schon sechs Jahre existiert, wechselten im Schuljahr 2006/2007 zum ersten Mal Kinder an weiterführende Schulen, die von der 1. bis zur 6. Klasse hier gelernt hatten. Der Film dokumentiert den reformpädagogischen Schulalltag in Großthiemig, begleitet die drei Schüler Alexander, Laura und Lysann bei ihrem Wechsel an die weiterführenden Schulen und befragt ihre Eltern. Sind die drei gut vorbereitet auf Realschule und Gymnasium? Werden sie in ihrer neuen Umgebung im klassischen Schulsystem bestehen k-montessorischueler-04.jpg können und gibt es einen Unterschied zu ihren neuen Mitschülern?
Der Film spürt diesen Fragen mit Aufnahmen aus der Gründungsphase und mit aktuellen Bildern nach und zeigt, dass das von Nachbarschulen und Dorfgemeinschaft immer noch skeptisch betrachtete Schulprojekt aus Großthiemig ein Erfolg ist.

Trailer anschauen

Dieser Film ist eine Fortsetzung des Filmes
"Für mein Kind - Ein Schule wird gegründet"


EXPOSÈ


Vor 6 Jahren startete die „Evangelische Schraden Grundschule“ im südbrandenburgischen Großthiemig ihre Arbeit. Der Film „Für mein Kind “ endete mit der Schuleröffnung und hatte bis dorthin eine Handvoll engagierter Eltern bei ihrem Vorhaben begleitet, eine Grundschule für ihre Kinder im eigenen Dorf zu erhalten. Mit reformpädagogischen Ideen und der Unterstützung der Evangelischen Kirche war dem Elternverein nach vielem Hin und Her die Gründung einer Schule in freier Trägerschaft gelungen.
Nachdem die Schule nun 6 Jahre existiert und die Kinder, die damals eingeschult wurden, vor dem k-montessorischueler-05.jpg Wechsel an eine weiterführende Schule stehen, wollen wir die Fäden noch einmal aufnehmen und nachforschen, was aus den Kindern bzw. dem Engagement der Eltern (vor allen Dingen der Mütter) geworden ist.

Was macht Kinder aus, die hier zur Schule gehen? Diese Frage soll das Thema des neuen Filmes sein. Dabei wollen wir keine Rechnung gegenüber der Regelschule aufmachen. Unser Anliegen ist es vielmehr zu zeigen, dass auch die Schüler der „Evangelischen Schraden Grundschule“ ihren Weg gehen – dass mit Hilfe von Engagement und reformpädagogischen Methoden kleine Dorfschulen möglich sind und „nebenher“ auch noch wichtige Werte und soziale Kompetenzen vermittelt werden, die oft anderswo unters Schulpult fallen.

Formal entsteht der Film aus drei intimen und authentischen Portraits von Lysan, Laura und k-montessorischueler-06.jpg Alexander. Über ihre im Vordergrund stehenden Persönlichkeiten, Geschichten, Sichtweisen und Erlebnisse erschießt sich für den Zuschauer nach und nach das, wofür die Großthiemiger Schule steht und wie Schüler von hier sich auch in weiterführenden Schulen zurecht finden. Sie verleihen dem Film ihre Stimme.
Gestalterisch ergibt sich so die Möglichkeit, Beobachtungen und situative Momente – mit reflektierenden abzuwechseln. Filmmaterial, das bereits vor 6-7 Jahren mit den Kindern entstand, kommt ergänzend hinzu. Da wir uns mehr an Personen orientieren, bestimmt die zeitliche Abfolge von Ereignissen nicht mehr so stark die Wirkung des Filmes.

Wir lernen Lysan, Laura und Alexander kennen und sehen sie bald auch im Unterreicht der Großthiemiger Grundschule. Bei einem Besuch in der 1. + 2. Klasse erklären sie uns, wie sie damals angefangen haben, nach den Ideen von Montessori zu lernen. Sie erklären Schulmaterialien, mit denen sie gearbeitet haben. Durch ihre Erzählungen bekommen wir recht bald vermittelt, dass es sich hier um eine besondere Schule mit eigenen Methoden handelt bei denen das Miteinander ganz anders gelebt werden kann.  Dabei ist es nicht wichtig, dass hier nicht alles streng nach Montessori gehalten wird. Vielmehr ist entscheidend, dass hier Lehrer mit Respekt  und pädagogischen Wissen jedem einzelnen Kind ein ihm entsprechendes eigenständiges Lernen ermöglichen wollen.

k-montessorischueler-03.jpg Mit dem letzten Schultag der 6. Klasse endet für Lysan, Laura und Alexander das „Experiment“, was ihre Eltern für sie ins Leben gerufen haben. Der Film begleitet die drei nun bei ihrem Start an den weiterführenden Schulen (Lysan an der Realschule Prösen, Laura am Gymnasium Elsterwerda und Alexander am Hochbegabtengymnasium St. Afra in Meißen). Neuer Schulalltag, subjektive Eindrücke und Erlebnisse werden reflektiert...  wird schon alles gut gehen, oder? Natürlich muss man sich an ein paar Dinge neu gewöhnen. Die Klassen sind viel größer – Leistungsanforderungen und Konkurrenz steigen -  der Kontakt mit den Lehrern ist nicht mehr so vertraulich. Die Kinder müssen sich an neue Regeln gewöhnen. Die ersten Eindrücke rufen auch ein paar Unsicherheiten hervor. Bei einem Besuch in ihrer alten Schule machen ihnen ihre alten Lehrer noch mal Mut...
Nach 6 Monaten, zum Ende des ersten Schulhalbjahres kurz vor Zeugnisausgaben k-montessorischueler-02.jpg besuchen wir sie noch einmal mit der Kamera in der Schule und in ihren Familien. Der Wechsel, ist geglückt und vielleicht erkennen wir bei den dreien zu diesem Zeitpunkt auch Fähigkeiten und Talente, die sie gegenüber ihren neuen Mitschülern auszeichnen. Der Film hinterlässt aber beim Zuschauer auf jeden Fall ein Gefühl für drei Schüler, die für mehr stehen als nur für Kinder die ihrem Alter entsprechend  schulische Leistungen erbringen. Sie werden, wie so viele Kinder, die schon vor ihnen den gleichen Weg gegangen sind, bestätigen, dass Lernen an einer Schule mit Reformpädagogik nicht dümmer gemacht hat und durchaus zu Besonderem befähigen kann, weil sie erfahren dürfen dass Erwachsene ihre Bedürfnisse ernst nehmen.



rbb2.gifSendetermine im RBB Fernsehen waren: der 26. und 30. Mai 2007 sowie der 20. und 23. Oktober 2007.

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phoenix.gif am 5. Oktober 2007 bei ARD Festival und am 10. Dezember 2007 auf Phoenix
Pressefotos: Montessorischüler gehen ihren Weg




  Kommentare (1)
 1 Filmkritik
Geschrieben von: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können , am 22-05-2008 13:57
Dieser Beitrag ist als Fortsetzung des Schulgründungsfilms "Für mein Kind. Eine Schule wird gegründet" konzipiert (vgl. Filmregister in: MONTESSORI H.3/4, 2004, S. 147f), der unter der Regie von J.C. Burger im Jahre 2000 entstand. Hier konnte man den Prozess einer Schulgründung in Großthiemig, einem Dorf im Süden Brandenburgs, von den Anfängen bis zum ersten Schultag verfolgen und sowohl die Visionen, Hoffnungen und Wünsche aller Beteiligten im Hinblick auf die Gestaltung einer kindgerechten Schule, als auch Enttäuschungen und Rückschläge auf dem Weg dorthin, nacherleben. Großes Engagement, ehrenamtliche Arbeit und vor allem viel Durchhaltevermögen führten damals schließlich zum Erfolg: Nach dreijährigem Kampf konnte die Eröffnung einer Montessori-Schule in Großthiemig gefeiert werden. 
Mit dem im Auftrag des RBB entstandenen Film "Montessorischüler gehen ihren Weg" portraitiert J.C. Burger nun verschiedene Stationen im Leben einiger Großthiemiger Schülerinnen und Schüler. Im kurzen Rückblick auf die Gründungsphase und die Eröffnung der Montessorischule im Jahre 2000 werden zunächst einige Kinder und ihre vielfältigen Erwartungen an die neue Schule vorgestellt. Ein großer Zeitsprung führt dann in das Jahr 2006. Die Montessorischüler besuchen jetzt die Abschlussklasse der 6 jährigen Grundschule und reflektieren Vorzüge und Chancen der altersgemischten Freiarbeit. Sie erläutern die Funktionsweise von Lernmaterialien und erklären, wie die Arbeit nach Wochen plan verläuft. Aus Lehrersicht erfährt der Zuschauer einiges über das Phänomen der gegenseitigen Hilfe 
unter verschiedenaltrigen Kindern. Abschlussfeier - die Schülerinnen und Schüler werden nach der gemeinsamen Grundschulzeit verschiedene weiterführende Schulen besuchen. Sie 
schildern ihre Gedanken und Sorgen in Bezug auf den Schulwechsel, zeigen sich aber schon bald als der neuen Situation durchaus gewachsen. Die im Film sichtbaren Unterschiede zwischen Montessori-Grundschule und eher traditionell ausgerichteten Sekundarschulen etwa hinsichtlich Unterrichtsmethodik, Lehrerverhalten und sozialem Miteinander sind frappierend! Um so interessanter ist es, wie die Kinder diese Gegensätze verarbeiten und lernen, sich - auf ganz individuelle Weise - zu bewähren. Dabei erhält der Zuschauer sehr unterschiedliche Antworten auf die häufig gehörte Frage danach, wie Montessorischüler eigentlich später an "normalen" Schulen zurechtkommen. Es wird deutlich, dass sie etwa übertriebenes Strebertum und Konkurrenzdenken, gegenseitiges Hänseln oder ein Übermaß an traditionellen Unterrichtsformen kritisch beurteilen bzw. ablehnen. Letztlich aber "gehen alle ihren Weg" und meistern die ihnen gestellten Entwicklungsaufgaben. 
 
Dazu trägt entscheidend bei, so das Fazit vieler Eltern, dass die Montessori-Grundschule das Verantwortungsbewusstsein, die Sozialkompetenz, das Selbstbewusstsein sowie die Neugier und den Spaß am Lernen in besonderem Maße gefördert hat. Zwar ist man sich völlig der Tatsache bewusst, dass aus Montessorischulen nicht nur "Wunderkinder" hervorgehen. Aber 
alle spüren, dass hier eine gute Basis für die Entwicklung von Kindern gelegt wird, die dann letztlich selber ihren Weg zu gehen haben. Ein wunderschönes, ehrliches Resümee zieht eine Mutter, wenn sie sinngemäß feststellt: "Wenn ich noch mal kleine Kinder hätte, würden sie wieder zu den Montessoris gehen dürfen". 
Es ist ein Verdienst J.C. Burgers, erstmals den Weg von Montessorischülern über einen längeren Zeitraum hinweg beleuchtet und dokumentiert zu haben. Eindrucksvolle Momentaufnahmen aus der Montessori-Praxis sind wichtig und notwendig. Aber es fehlt nach wie vor an aufschlussreichen Studien zur Entwicklung von "Montessorikindern", so dass wir mehr und nähere Hinweise auf den Einfluss und die Wirkung der Montessori-Pädagogik 
erhalten. Es wäre zu hoffen, dass der Film "Montessorischüler gehen ihren Weg" das Interesse an einer intensiveren Erforschung dieser Thematik anregt. 
 
Herr Klein-Landeck – 1. Vorsitzender der Montessori-Vereinigung e.V. in der Zeitschrift „Zeitschrift für Montessori- Pädagogik“ (45 – 2007 – Heft 4 S. 204f)

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